Hast du einen ehemaligen Straßenhund zuhause, der auf Geräusche, Bewegungen oder Menschen sehr sensibel reagiert? Dann weißt du, dass es nicht nur eine gehörige Portion Geduld und viel Liebe benötigt, sondern auch Verständnis von der Außenwelt. Doch wie kann man Freunde und Familie oder gar Fremde, die euren Hund gerne „mal streicheln“ wollen, davon überzeugen, dass deine Fellnase Abstand braucht und in Ruhe gelassen werden will?

Eine Möglichkeit ist ein gelbes Halstuch. Was genau das ist und was dahinter steckt, erfährst du im nachfolgenden Interview, dass wir als ROLDA Germany mit Ramona Noack, 1. Vorsitzende von Gelber Hund und Freunde e.V. mit Sitz in Drebkau.

Ramona Noack, 1. Vorsitzende von Gelber Hund und Freunde e.V.; Foto: Gelber Hund und Freunde e.V.

ROLDA: Das Gulahund Yellowdog Program ist eine Kampagne, die sensiblen Hunden Freiraum verschaffen will. Bitte erklären Sie einmal genauer, was dahinter steckt?

Ramona Noack: Es gibt immer mehr Hundehalter, die sich von anderen Menschen oder Hundehaltern bedrängt und eingeschränkt fühlen. Das ist sowohl real räumlich der Fall, das heißt, es werden Individualdistanzen nicht respektiert und Hunde werden einfach auf andere loslaufen gelassen.
Sie sehen sich aber auch in der eigenen Handlung immer mehr eingeschränkt, denn es gibt viele Respektlosigkeiten und übergriffige Handlungen unterwegs beim Spaziergang. Und so ist es oft einfach gar nicht mehr stressfrei möglich, einfach nur spazieren zu gehen.

Man muss nicht einmal einen reaktionsoriginellen Hund ausführen, in solche Situationen geraten auch immer mehr Otto-Normal-Hundehalter. Und um bei einem Spaziergang wieder stressfrei und entspannend unterwegs zu sein, gibt es das gelbe Signal, welches von Weitem darauf aufmerksam machen soll, dass ich oder mein Hund oder wir beide aus den verschiedensten Gründen keinen näheren Kontakt wünschen und das ohne lange Diskussionen. 

ROLDA: Das Programm wurde ursprünglich in Schweden im Juni 2012 gestartet. Seit wann gibt es diese Kampagne auch hier in Deutschland? Und wie unterstützen Sie das schwedische Programm?

Ramona Noack: Frau Oliversson hat die Kampagne im Juni 2012 in Schweden gestartet und direkt auf Facebook nach Unterstützern in anderen Ländern gesucht. So haben wir uns im August 2012 angeschlossen. 

Wir haben hier in Deutschland einen Verein gegründet – Gelber Hund und Freunde e.V. – um die Gemeinnützigkeit der Kampagne Gulahund/Yellowdog zu wahren und von diesem aus agiert die Kampagne auch in Deutschland. Wir sind also die offizielle deutsche Vertretung von Frau Oliversson. Unsere Arbeit besteht hauptsächlich in der Aufklärung und Verbreitung der Botschaft.  

ROLDA: An welche Hunde bzw. Hundehalter richtet sich die Kampagne?

Ramona Noack: Sie richtet sich an alle Hundehalter, die einfach mal wieder entspannt und stressfrei spazieren gehen oder trainieren wollen. Die einen respektvollen Umgang untereinander vermissen. Es kann sehr viele unterschiedliche Gründe geben, weswegen ein Hund eine gelbe Schleife trägt. 

ROLDA: Welche Artikel bieten Sie bei sich im Shop an?

Ramona Noack: In unserem „Shop“ bieten wir Halstücher und Schleifen an. Diese werden eigens in Handarbeit für uns hergestellt und wir verkaufen sie mit ausdrücklicher Genehmigung der Initiatorin mit einer geringen Marge, denn die Kampagne ist urheberrechtlich und als gemeinnützig geschützt. Unser Erlös fließt zu 100 Prozent in den Erhalt und die Arbeit der Kampagne und unseres Tierschutzvereins. Deswegen ist es auch kein richtiger Online-Shop.  Ebenso kann man hier kostenlos Informationsmaterial in Form von Flyern, Plakaten, Post- und Visitenkarten bestellen. 

ROLDA: Wie war bisher die Resonanz auf die Kampagne hier in Deutschland? Oder anders gefragt: Wie viele Menschen kamen schon auf Sie zu, um Tücher und Schleifen für ihre Fellnase zu kaufen?

Ramona Noack: Wir haben seit 2015 über 700 Halstücher und 4000 Schleifen verkauft. Aber diese Anzahl ist gar nicht so wichtig, denn Frau Oliversson war es bei der Auswahl des Signals wichtig, dass es jedermann ohne viel Aufwand selbst herstellen könnte. So ist ein Schleifenband oder ein Babyhalstuch vollkommen ausreichend. Dennoch sind wir dankbar für jedes verkaufte Stück. 

Viel wichtiger ist, wenn wir in die Statistik schauen möchten, dass wir im gesamten Kampagnenzeitraum, also bis jetzt aktuell über 46.000 Stück Informationsmaterial in die Welt gebracht haben.

ROLDA: Wir sind ein Tierschutzverein, der sich um die Rettung von rumänischen Straßenhunden bemüht und diese an den richtigen Menschen vermittelt. Sind die Tücher, Schleifen und Bänder auch für diese Hunde geeignet?

Ramona Noack: Erfahrungsgemäß haben diese Hunde Ängste und manchmal auch Anpassungsschwierigkeiten. Diese Hunde brauchen Zeit und Raum und genau da ist die Schnittstelle zu unserer Kampagne. Also sind Tücher und Schleifen sehr wohl etwas für eure Schützlinge. 

ROLDA: Ramona Noack, vielen Dank für das nette Gespräch.

Man muss das Halstuch nicht kaufen, auch ein eigens kreiertes ist möglich. Die Fellnase wird sich freuen; Foto: Meike Menzer Fotografie
Egal ob Schleife oder Tuch, der Verein bietet verschiedene Produkte an; Foto: Meike Menzer Fotografie

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